WRITTEN ON Oktober 29th, 2007 BY Carsten AND STORED IN Dreck, Schäublismen

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Und nicht nur die Ordnungshüter, auch die manche Dörfler sind ziemlich eindeutig unangenehme Rassisten: Da fährt ein Pärchen, nennen wir sie der Einfachheit halber Omar und Kathrin, in die Flitterwochen. Die Lüneburger Heide haben sie sich ausgesucht, ist schließlich schön und ruhig da. Und weil die Hochzeitsfeier etwas länger dauert, kommen die beiden erst abends in ihrem Ferienhaus an. Ohne Auto, denn die Dinger sind teuer und für ein frischvermähltes Paar oft entsprechend schwer zu finanzieren (ich kann mir meinen Piratenwagen auch nicht leisten, das ist aber eine längere Geschichte). Das war wohl genug für irgendjemanden in diesem Dorf, bei der Polizei anzurufen und vor potentiellen Terroristen zu warnen: Zwei orientalisch aussehende Menschen! Musel! Die müssen Dreck am Stecken haben!

Und was macht unsere Polizei? Das:

Omar rief unterdessen “Einen Augenblick, bitte” in Richtung Tür und schaute durch den Vorhang der vor der Glastür hing. “Polizei, bitte aufmachen” rief es von draußen. Omar schloss die Tür auf und öffnete die Tür, als die Polizei auch schon in das Haus stürmte. Omar hielt einen Arm vor die Tür mit der Bitte “Einen Augenblick, meine Frau zieht sich grade an”. Ein großer Polizist in schusssicherer Kleidung drückte seinen Arm weg und ein älterer grauhaariger Herr (der befehlsführende Beamte) hielt Omar seine Dienstmarke vor das Gesicht. Der große und zwei andere Beamte preschten in der Zeit voran in das Haus. Der ältere Herr kam mit Omar in den Wohnraum. In der Zeit hatte ich es noch geschafft, mich anzuziehen und ging auf den Beamten zu und streckte ihm meine Hand zur Begrüßung entgegen, was aber nicht erwidert wurde. Omar und ich mussten uns dann hinsetzen aufs Sofa, während das Haus durchsucht wurde. Mindestens zwei Beamte gingen nach oben in die Schlafzimmer und kamen nach einer halben Minute wieder nach unten. Ein Beamter schaute sich die Walsroder Tageszeitung an, die auf einem Tisch lag. Wir hatten sie am selben Tag in einem nahegelegenen Dorf gekauft. Wir können uns beide nicht erinnern, dass das Badezimmer durchsucht wurde.

Mich grausts. Das ist es, wovor ich Angst habe. Das ist es, was ich mit Sicherheitswahn meine. Das ist es, was mich zu meinem Engagement für die http://www.piratenpartei.de bewegt hat. Miese Rassisten, Staatsgewaltträger außer Rand und Band, Grundrechte als Fußabtreter. Ich bin sauer, ziemlich sogar. Omar und Kathrin haben daraufhin ihre Flitterwochen abgebrochen. Und eine Entschuldigung, gar eine pekuniäre, wie maloXP sie sich wünscht, wird es nicht geben. Nicht hier. Hierzulande werden solche Leute belohnt.

Abgezogen sind die acht Bull…ähm Einsatzkräfte übrigens mit folgendem Spruch:

“Leider haben wir tatsächlich ein Paar in ihren Flitterwochen gestört”

Die beiden haben die Geschichte übrigens selbst aufgeschrieben: Omar Kathrin

 

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6 Responses to “Rassistencops in der Lüneburger Heide”

 
Iris wrote on Oktober 30th, 2007 12:07 (005) :

Und nicht nur die Ordnungshüter, auch die Dörfler sind ziemlich eindeutig unangenehme Rassisten:

EINER hat angerufen. Und ob der Denunziant wirklich ein ‘Dörfler’ war, weißt Du noch nicht mal. Aber für Dich steht offenbar schon mal ‘ziemlich eindeutig’ fest, dass DIE Dörfler Rassisten sind? Oh Mann, ich finde solche Pauschalisierungen schön langsam echt zum Kotzen Erbrechen. Siehst Du denn nicht, dass genau dieses primitive Schubladendenken einer der Hauptursachen dafür ist, dass Menschen wie Omar und Kathrin unter Generalverdacht gestellt werden?

Carsten wrote on Oktober 30th, 2007 12:32 (022) :

Erstmal: Entschuldigung, dass der Kommentar nicht sofort freigeschaltet wurde – irgendwas daran hat den Spamfilter ausgelöst.

Du hast recht: Ich weiß nicht, ob der Denunziant ein Dörfler war. Die beiden sind aber spätabends in einer abgelegenen Ecke in einem Dorf angekommen. Für die Denunziation braucht es hier also zweierlei Informationen: Dass sie um diese Zeit angekommen sind, wo praktisch exklusiv Dorfbewohner etwas von mitbekommen haben können. Und dass Omar und Kathrin da nicht ihren Wohnsitz haben. Was, nun ja, für die Einheimischen ziemlich exklusives Wissen sein dürfte.

Mit der Kritik am Pauschalurteil hast du recht. Nachmal: Sorry. Ich habe die entsprechende Passage geändert. Ist das so besser?

Iris wrote on Oktober 30th, 2007 1:06 (046) :

Na ja, ich find’s schon mal erfreulich, dass Du Dein Pauschalurteil über die Dörfler revidiert hast. Bzgl. Deiner Vermutung über ‘ziemlich exklusives Wissen’ bleibt aber imo immer noch ein Zweifel. Nach dem, was ich in Kathrins Blog gelesen habe, haben die beiden ein Ferienhaus angemietet. Und wo ein Ferienhaus steht, könnten auch mehrere sein. Und darin könnten ja auch noch andere Zugereiste aus der Stadt Urlaub gemacht haben. Meinst Du nicht ;o)? In dubio pro reo

Davon abgesehen muss der Anrufer m.E. auch gar nicht mal so besonders rassistisch gewesen sein. Es könnte sich ja auch schlicht um einen etwas paranoiden (oder naiven, dummen, weltfremden, obrigkeitshörigen…) Zeitgenossen gehandelt haben, der sich zu stark von den Terrorszenarien von Schäuble und Co. beeinflussen ließ? Vielleicht war’s auch von allem ein bisschen?

Too Much Cookies Network » Von Trophäen und Peinlichkeiten wrote on Oktober 30th, 2007 9:53 (412) :

[...] Wwwut, Paul, si tacuisses, Steffen, Kurokasai, Schieflage, Sven Scholz, Ringfahndung, OnlyMeAndI, Carsten, StoiBär, Al-Sakina, Fefes Blog, Spreeblick, LieberBruderAli, l’optique, Ascene.de, [...]

Carsten wrote on Oktober 30th, 2007 12:18 (512) :

Auch solche Paranoia (resp. Dummheit, Naivität, Weltfremdheit oder Obrigkeitshörigkeit) läuft für mich, so die Geschichte bei Kathrin und Omar denn komplett dargestellt wird, auf rassistische Vorurteile hinaus. Denn die Auslöser für den verhängnisvollen Rauswurf dürften Omars Hautfarbe und Kathrins Kopftuch gewesen sein – bei einem protestantischen, weißen Pärchen hätte niemand die Polizei gerufen. Rassismus mag hier nicht ganz der richtige Begriff, schließlich geht e hier nicht um die Diskriminierung einer “Rasse”, was auch immer das sein mag, sondern um die des muslimischen Glaubens – mir fällt aber kein besserer ein, zumal auch Fremdenfeindlichkeit nicht passt. Omar und Kathrin sind hier schließlich nicht fremd.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ohne Rassismus respektive religiöse Diskriminierung kein Terrorangstanruf, egal welche Motivlage dazu sonst noch beigetragen hat.

Zum Punkt Ferienhausbewohner: Nichts ist unmöglich, aber ein aus der Stadt zugereister Ferienhausbewohner wüsste auch nicht, dass die beiden da nich Einheimisch sind ;) Naja, da werden wir wohl zu keiner Lösung kommen. Nur noch mal zur Klarstellung: Ich schiebe Dorfbewohnern keinesfalls ein Monopol auf Rassismus zu. Den gibt es in den Städten genauso – und das macht ihn so gefährlich. Gäbe es eine bestimmte soziale Sphäre, die rassistisches, diskriminierendes Gedankengut für sich exklusiv hätte, wäre es ganz einfach dagegen vorzugehen. Solche Gedanken finden sich aber in der Breite der Gesellschaft wieder, in keinerlei Kreisen ist man davor sicher. Nur äußert sich das in Städten anders, schon aus praktischen Gründen: Würde hier in Duisburg jedes Mal, wenn ein muslimisches Paar im Dunkeln ohne Auto heimkommt die Polizei gerufen, dann würden dort allabendlich die Telefonleitungen zusammenbrechen.

Unschlüssig - this city will kill me wrote on November 5th, 2007 1:33 (565) :

[...] miesen Überwacherstaat oder gilt die freiheitlich-demokratische Grundordnung doch noch etwas? Manches lässt mich an ihr zweifeln, wenn ich dagegen so etwas lese, beschleicht mich der Gedanke: Es [...]

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