Archiv für 19. Oktober 2006


Kurz und prägnant

19. Oktober 2006 - 8:07 (797) Uhr

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Und da sage nochmal einer, Behördendeutsch sei kompliziert und lebensfern.

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Auf ein Ziel zuschreiben

19. Oktober 2006 - 8:00 (791) Uhr

…und dann vorbeischreiben. Für meinen letzten Beitrag hatte ich einen Satz im Kopf, auf den ich hinaus wollte: “…und wenn dazu die Rektorate brennen müssen, dann ist das nicht meine Schuld. Und sagt hinterher nicht, es wäre nicht gewarnt worden.”

Aber: Knapp daneben ist auch vorbei. Son Mist.

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Treppenplatz (unter Vorbehalt): 500EUR

19. Oktober 2006 - 2:00 (042) Uhr

Fünfhundert Euro bezahlt man für nicht allzuviele Vergnügungen. Eine Jahreskarte beim Lieblingsclub gibts billiger, selbst Stones-Tickets oder Madonna-Eintrittskarten gibts günstiger - sogar in den gehobenen Platzkategorien. Als Student bekommt man für das Geld etwas ganz anderes geboten. Da darf man sich für fünfhundert Euro zusammen mit dreihundert anderen in einem stickigen Hörsaal auf die Treppen setzen und, wenn der Geräuschpegel es zulässt, einem desorientierten Dozenten lauschen. Wenn man denn ganz viel Glück hat und die Vorlesung überhaupt stattfindet.

Von den vier Vorlesungen, die ich bis jetzt hätte haben sollen, sind zwei ausgefallen - und morgen kommt noch eine dazu. Gut, das sagt jetzt nich unbedingt etwas über den Rest des Studiums aus, schließlich kann man von einem Professor nicht erwarten, wegen solch einer Nichtigkeit wie dem Beginn der Vorlesungszeit den wohlverdienten Urlaub abzubrechen. Aber was dann geboten wird, wenn doch mal etwas stattfindet, spottet jeder Beschreibung. Da versucht der Prof, ohne Mikro dreihundert Studenten zu beschallen. Da ist der Saal so überbesetzt, dass einige vor der Tür stehen müssen. Da kommt auf 250 Erstsemester in der Veranstaltung eine Tutorin - und all das ab dem nächsten Sommersemester zum Pauschaltarif von 650 EUR, Semesterbeitrag inklusive. Aussicht auf Besserung? Eher mau. Denn es ist abzusehen, das nach der Einführung allgemeiner Studiengebühren Schritt für Schritt die Zuwendungen an die Unis zurückgefahren werden. Die haben ja eine neue Geldquelle - warum also sollte Vater Staat die Mittel nicht für besonders klaffende Haushaltslöcher benutzen?

Tragisch ist vor allem, wie leise der Aufschrei sogar in einem Politik-Studiengang bleibt. Schulterzucken statt Steine schmeißen, quasi. Die sogenannten Reformen der letzten Jahre haben nämlich eines gezeigt: Sparen müssen wir alle. Zumindest glauben wir das. Denn Geld, das in die Bildung geht -seien es nun Schulen, Universitäten, Berufsschulen oder Kindergärten- sind keine Kosten. Das sind Investitionen in die Zukunft. Und genau die verbaut man sich, wenn man das Studium noch teurer macht - so sind die Einschreibungszahlen jetzt schon zurückgegangen.

Über die Ungerechtigkeit möchte ich hier gar keine Worte verlieren, schließlich ist es sogar schon bei den Verantwortlichen angekommen, dass Studiengebühren die Bildung noch selektiver machen, als sie ohnehin schon ist. Dass noch weniger der ohnehin schon spärlich gesäten Abiturienten ohne Geld ein Studium aufnehmen werden. Dass fünfhundert Euro für den Arztsohn kein Problem sind, für den Hartz IVler dagegen schon.

So wird für ein paar zusätzliche Einnahmen die Zukunft dieses Landes aufs Spiel gesetzt. Nicht nur die unmittelbare Zukunft von uns Studenten, sondern die des gesamten Landes. Bildlich gesprochen: Der Rohstoff Kohle wird in Deutschland massiv subventioniert, obwohl daran vergleichsweise wenig hängt. Der Rohstoff Bildung soll sich bitte selbst bezahlen, irgendwie.

Am traurigsten ist jedoch, dass nur wenige dagegen aufstehen. Klar, da werden Rektorate besetzt und Demonstrationen abgehalten - aber warum sind nur so wenige dabei? 34.000 Studentinnen und Studententen gibts an meiner Hochschule - warum tun davon nur ein paar Dutzend was? 250 Leute quetschen sich in einen Saal - warum protestieren die nicht? Warum protestiere ich nicht?

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