Stacheldraht
Barbele heißt auf Französisch Stacheldraht. Das hat mir zumindest Antoine so erzählt und da der Franzose ist, glaub ich ihm das einfach mal. Barbele ist aber auch der Name eines beschaulichen 900-Einwohner-Dorfes im westlichen Lettland. Ganz nahe der Orte, in denen wir uns damals verwirrt haben. Aber der Eintrag ist immer noch nicht fertig, sondern lauert ganz fies über dem Eingabefeld, betitelt mit “Deine Entwürfe”.
Aber jetzt geht es um die antirassistische Party, die da für die Dorfjugend veranstaltet wurde. Passend zum Thema begrüßten uns schon an der Bushaltestelle drei angetrunkene Kurzhaarfrisurträger, die dann sogleich unseren italienisch-sächsischen Punk im Visier hatten. Da Freiwillige aber stets in Rudeln auftreten, hielten die Jungs sich zurück. Dass ein Streit drei gegen fünfzehn recht aussichtslos ist, ging also sogar noch in deren benebelte Hirne.
Auf also zur Veranstaltung! Wo uns zuerst einmal klar wurde, warum die Jungs da so frustriert saßen: Russen waren nicht eingeladen bzw. erwünscht. Klasse Voraussetzungen für eine antirassistische Veranstaltung. Doch sollte sich der gewonnene Eindruck von der Veranstaltung noch verfestigen, denn im Rahmen der Spiele, die wir dort spielten, kamen noch mehr stupide Vorurteile zum Vorschein: Zigeuner, HIV-Infizierte, wieder die Russen - insgesamt ein mehr als trauriges Bild. Da sitzt man vor einer Runde junger EU-Bürger im 21., allesamt nach westlicher Mode gekleidet, ein paar Pseudoghettokinder (Weiße Mittelstandskids, ausm Ghetto - wasn Witz!) dabei, aber: Der Horizont reicht keinen Meter über das eigene Dorf hinaus. Wenn er dessen Grenzen überhaupt erreicht. Und ich weiß noch nicht einmal, ob man den Kindern dafür einen Vorwurf machen kann. Denn woher sollten sie sowas kennen? Da nimmt sich keiner dafür Zeit, denen auch noch derlei Werte zu vermitteln. Wer denn auch? Der Lehrer, der in der Sowietunion ausgebildet wurde? Die Eltern, die ausschließlichvornehmlich aus bildungsfernen Hintergründen stammen? Wohl kaum. Und in der Lettischen Pampa bietet sich auch nicht wirklich eine Gelegenheit, mal mit Menschen von außerhalb, mal mit Anderen in Kontakt zu kommen.
Naja, seis drum - vielleicht haben wir ja irgendwen erreicht. Danach gabs dann natürlich noch im “kleinen Kreis” eine Freiwilligenparty. Wie üblich mit Unmengen an Essen und Alkoholika - und diesmal sogar mit Sauna. Nur dass die ziemlich ignoriert wurde: Außer Thomasz, Fabrizio und mir hat keiner davon Gebrauch gemacht. Was gibt es über den Rest des Abends noch zu sagen? Trinkt keinen Alkohol beim Saunieren.
Und, ach ja, es soll interessante Fotos von mir beim Schlafen geben.
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Kategorie: Lettland und EVS

