Koreanische Technik trifft lettische Straßen

Ehe ich gar nicht mehr dazu komme oder die Hälfte vergesse, fang ich einfach mal an, das letzte Wochenende und damit den großen Lettland-Trip, die baltische Oddyssee zu schildern. Ich schätze mal, dass es keine schlechte Idee ist, dabei mit dem Anfang anzufangen. Den Anfang bildeten unsere Planungen. Die haben zehn Minuten gedauert, bis wir uns dann zu spontanen Entscheidungen entschlossen haben. Naja, zudem haben wir es noch geschafft, einen Treffpunkt auszumachen: Freitag morgen, 10:00 am Bahnhof… Und da gehts auch schon los. Just in dem Moment nämlich, indem ich aus meiner Wohnungstür trat, fing es an, recht kräftig zu schneien. Offenbar nicht zum ersten Mal an dem Tag, denn ich sah schon ein paar schneebedeckte Autos vorbeifahren, trotzdem finde ich das Timing bemerkenswert.

Nachdem wir uns dann alle, mehr oder weniger pünktlich am Bahnhof eingefunden hatte, brachen wir auf, das Auto abzuholen. Ganz konspirativ hatten wir uns vor einem großen Hotel, dem Radisson, verabredet. Ohne freilich an irgendwelche Erkennungsmerkmale zu denken. So standen wir vier, Giulia, Britta, Kyros und meine Wenigkeit, dann fast eine Viertelstunde vor einem schwarzen Hyundai Elantra, bis jemand auf die Idee kam, den Menschen von der Autovermietung doch mal anzurufen. Und, wie könnte es anders sein, griff der Fahrer jenes Hyundai in just diesem Moment nach seinem Telefon. Das Auto ward also gefunden, jetzt galt es noch die Formalitäten zu erledigen. Irgendwer musste schließlich den Mietvertrag unterschreiben und seine Dokumente vorlegen. Für den guten Kyros war nun die große Stunde gekommen: Er schwingt sich in den Beifahrersitz und händigt dem Automenschen seine Papiere aus. Die bestanden aus einem alten Führerschein und einem griechischen Personalausweis. Nichts besonderes? Gut, für den Schein lass ich das durchgehen, aber so ein griechischer Perso ist echt sehenswert: Beinahe doppelt so groß wie das klassische Scheckkartenformat und -jetzt kommts- handgeschrieben. Zur Hälfte in griechischer Schrift… Und die lateinischern Lettern darauf sahen auch nicht viel besser aus. Wenig verwunderlich, dass der Vermieter damit überfordert war, aber trotzdem: Das ist ein offizieller EU-Personalausweis. So weit, so gut, nach längeren Diskussionen klärte Giulia mit ihren ordentlichen italienischen Dokumenten dann die Situation und es konnte losgehen.

Womit für euch der Moment gekommen ist, euch eine Karte von Lettland zu greifen, damit ihr dem Trip folgen könnt. Nach kurzer Diskussion entschieden wir uns, südwärts zu fahren und wählten Ventspils als Etappenziel und Kuldiga als Schlafplatz aus. Zwischenstopps waren mit Tukums und Talsi zwei mausetote Städte, an denen lediglich erwähnenswert ist, dass wir zwar Arnaud (belgischer Freiwilliger), der in Tukums lebt, nicht antrafen, dafü aber Magda (polnische Freiwillige), obgleich wir sie nicht auf Anhieb erkannten, da sie sich kältebedingt ziemlich vermummt hatte. In den Abendstunden kamen wir dann auch, trotz Schnee, in Ventspils an. Dazu zwei Erläuterungen: Abendstunden ist relativ, da es schon gegen 17:00 stockfinster ist und Ventspils ist eine der größten Städte Lettlands, die Reichste noch dazu. Was aber nichts bedeutet: Öde, still und leer präsentierte sich diese angebliche Perle. So blieb uns nichts anderes, als die Bürgersteige zu bewundern, die nach der Aussage von Brittas Mutter besser seien als jene in Deutschland. Nun denn, da wir, respektive Britta, in Kuldiga eine nette kleine Herberge kannten, die uns für wenig Geld beherbergen würde (es waren 2,50Ls pro Person), machten wir uns dann nach einem Glas heißer Schokolade auf die letzte Teiletappe des Freitags. Kurz vor zehn und kurz nachdem ein Hund beinahe sein Leben auf der Straß gelassen hätte trafen wir dann ein. Während die Mädchen noch mit irgendwas beschäftigt waren, sputeten Kyros und ich uns zum nächsten Laden, um noch Wodka zu bekommen, bevor um 22:00 der Alkoholverkauf eingestellt würde. Kuldiga ist zwar wesentlich kleiner als Ventspils, aber umso netter. Die Stadt wirkt nicht so künstlich und aufgesetzt und ist auch nicht gar so tot. Als wir es dann 23:00h und Mitternacht nämlich schafften, uns endlich in Bewegung zu setzen, fanden wir tatsächlich noch einige offene Lokale. Sogar eine sehr nette Bar, in der wir den Abend gemütlich mit ein paar Bier ausklingen ließen, war darunter. Nach ein paar Trinkspielen auf unserem Zimmer ging es dann zu Bett. Richtig gelesen: Zu BETT!!! Welch ungeahnter Luxus! Ich habe seit meiner Ankunft in Lettland nicht eine Nacht in einem richtigen Bett geschlafen…

Um den Textwust nicht allzu katastrophal zu machen: Der Samstag folgt!

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Kategorie: Lettland und EVS


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