Wir kommen dem “Jetzt” immer naeher…
Naja, aus “nachher” ist wohl nichts mehr geworde, aber es gab einfach verdammt viel zu tun… Nicht nur Arbeit, auch ansonsten muss man sich ja einleben. Ich mach mal weiter mit dem Aufholen…
Freitag, 16.09.2005 - Sonntag, 18.09.2005: Wochenende in R?zekne. Wie ich euch sicher allen im Voraus schon hinreichend erzaehlt habe, werd ich meine Zeit in einem relativ kleinen Ort nahe der russischen Grenze verbringen, der den schoenen Namen R?zekne traegt. Dieses Wochenende gab mir die Moeglichkeit, schon einmal ein bisschen Landluft zu schnuppern (der derzeitige Stand der Dinge ist uebrigens, dass ich in ziemlich exakt zwei Monaten dauerhaft nach R?zekne umziehe - dann ist mein Sprachkurs vorbei. Mehr dazu aber spaeter!) und die Gegend kennenzulernen. Und es war weit weniger schlimm, als ich befuerchtet hatte. Natuerlich ist der Ort ein Kaff im Vergleich zu Riga, aber es gibt dort immerhin Supermaerkte, Kneipen, Internetcafes und sogar etwas wie Diskotheken. Und Baeume. Ueberall Baeume. Ueberall Wald - das ist wirklich beeindruckend und macht sogar so eine im Schachbrettmuster angelegte Plattenbaustadt wie R?zekne irgendwie schoen.
Untergebracht war ich bei Marijas Familie, d.h. ihren Kindern. Vier ausgesprochen nette Maedels und ein Sohn, der mir ebenfalls sehr sympathisch ist. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass wir zusammen mit einem uralten, schrottreifen Lada 1600 ueber Feldwege gebrettert sind. Ein Freund hat ihm das Auto gestiftet und zusammen mit noch mehr Kumpels waren wir dann mit insgesamt 4 Leuten unterwegs. Fazit: Heckantrieb ist ausgesprochen praktisch, bei Erschuetterungen abfallende Teile sind nichts besorgniserregendes und man ueberschlaegt sich nicht zwangsweise, wenn man von der Strasse abkommt. Auch nicht, wenn man dann noch durch nen Graben schiesst. Aber dafuer hat man dann jede Menge Spass;)
Was ich den weniger Risikobereiten (weniger, aber nicht gar nicht!!!) unter euch ans Herz legen moechte, ist ein Besuch in einer russischen Sauna. So etwas erfrischendes hab ich in meinem Leben noch nicht erlebt - und zweimal Saunieren sind genug, um eine hartnaeckige Erkaeltung klein zu kriegen. Natuerlich hat es was abenteuerliches, sich in einen russgeschwaerzten Raum garen zu lassen, aber man sollte alles mal ausprobieren!
Auf genauere Berichte ueber die Zeit von Montag, dem 19.09.2005 - Mittwoch, den 21.09.2005 moechte ich aufgrund der relativen Ereignislosigkeit dieser Tage verzichten. Aber jetzt kommts:
Donnerstag, 22.09.2005 - Sonntag, 25.09.2005: OnArrival-Seminar. Um 12:00 Uhr ging der Bus zu eben jenem Seminar - und ich hab ihn natuerlich verpasst. Aber die Leute waren dann, als ich sie endlich erreichen konnte, so nett, an der Strassenbahn-Endstation auf mich zu warten, sodass ich die Reise nach Sigulda, in die lettische Schweiz, doch noch antreten konnte. Nach einer guten Stunde auf lettischen Landstrassen wurde unser Bus ploetzlich langsamer und bog mitten im nirgendwo auf einen unbefestigten Feldweg ab. Nach einer weiteren guten Viertelstunde dann stoppte er - fernab jeglicher Zivilisation - dann vor unserem Gaestehaus. Und was soll ich euch sagen: Das war einer der schoensten Plaetze, die ich je gesehen habe. Eine so ueberwaeltigende Natur gibt es sonst nirgendwo mehr. Zumal wir auch mit dem Wetter Glueck hatten: Blauer Himmel, Sonnenschein, ja teilweise war es beinahe warm! Und erst die sternenklaren Naechte… Wir rannten einander beinahe gegenseitig um - und das nicht nur aufgrund unserer Trunkenheit, sondern auch weil wir nonstop den Kopf im Nacken hatten, um den Sternenhimmel zu bewundern</p>
<p>Womit wir auch schon bei den (noch) interessanteren Themen waeren: Unsere Gruppe. Wir waren insgesamt 10 Leute und dre Trainer, die auch mehr oider weniger in unserem Alter waren. Naja, was heisst “unser Alter”: WIr deutschsprachigen Freiwilligen (Zwei Maedchen aus Oesterreich, zwei weitere aus Deutschland und meine Wenigkeit) waren mit Abstand die juengsten. Der Rest der Freiwilligentruppe (Zwei Englaender, eine Schottin, ein Franzose und ein Grieche) hatten alle zumindest ihr Grundstudium schon hinter sich gebracht, ja selbst echte Master of Arts liefen da herum! Naja, trotzdem verstanden wir uns prima und haben die Nacht zum Tag gemacht. Sozusagen “sehr getrunken”. Vor allem Wodka. Und Bier. Und Balzams. Und franzoesischen Schnapps. Und… Naja, man kann sich das unschwer vorstellen. Auf dieses Training werd ich sicher an anderer Stelle nochmals verweisen, denn die Leute seh ich sicher wieder - allein drei sind in R?zekne untergebracht, zwei weitere hier in Riga. Interessant ist jedenfalls auch der Sonntagabend. Denn er brachte mir ein eigenes, (beinahe) funktionierendes Klo (ich hab ja immer noch das saubere, moderne hier im Buero. Lediglich das Klopapier, Schmirgelstufe 7, sollte ich zukuenftig durch eigenes substituieren;) ), eine Dusche (warm!) und ein richtiges Zimmer in einer beheizten Wohnung bester sowjetischer Bauart (nicht vergessen: Meine letzte Wohnung stammte aus der lettischen Bluetezeit in den 1930ern und wurde seitdem sicher nicht grundlegend renoviert…). Ich wohn jetzt bei einem ausgesprochen netten Kollegen, der irgendwie vaeterliche Gefuehle zu hegen scheint… Naja - die werd ich ihm auch noch austreiben;)
Nun sind wir schon soweit:
Gestern: Die erste Lettischstunde. Ja, wieder so ein normaler Tag im Buero… Aber diesmal hab ich mich neben meiner Datenbank auch noch um einen Platz in irgendeiner Sprachschule bemueht - und tatsaechlich einen Kurs gefunden, der noch am selben Tag beginnt. Und zwar im International House Riga-Satva. Diese International Houses scheint es weltweit zu geben und die bieten ebensolche Sprachkurse an. Das Ganze hochprofessionell -meine Lehrerin Diana spricht perfektes, akzentfreies Englisch- und zu vernuenftigen Preisen. So bekomme ich ueber zwei Monate hinweg 50 Einheiten zu je 2:15h fuer knapp 100 Lats. Wirklich fair, auch in Hinsicht auf die mit 5 Leuten sehr geringe Gruppengroesse.
Heute gab es noch keine berichtenswerten Vorkommnisse ausser vielleicht der recht maessigen Lasagne in der Kantine… Aber ich plane, heute abend zumindest dem Goetheinstitut noch einen Besuch abzustatten. Und wer weiss, vielleicht gibt es darueber ja morgen was zu berichten..
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Kategorie: Lettland und EVS

